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„Die Hoffnung auf Frieden“

Die Medienberichte über Krieg und Zerstörung sind erschütternd. Jeder hofft auf Frieden. Aber wie kann Frieden erreicht werden?

Die Kernfrage ist: Gibt es ein Friedens-Konzept für den Menschen an sich – ganz gleich woher er kommt? Auseinandersetzung/Streit/Gewalt zwischen Individuen gibt es überall auf der Welt. Auch in einem sogenannten friedlichen Land.
Sehr oft sogar in Familien!

Dieser Kampf zwischen Menschen, die einander nahe stehen, macht uns besonders betroffen, denn: Familie ist der Ort, wo ein Mensch von ganz klein auf lieben lernen könnte, ja sollte. Wo sonst?
Zum Glück: gibt es auch solche Familien. Sie scheinen sogar ziemlich häufig zu sein. In den Medien hört man von ihnen fast nie. Ich denke: sie sind einfach selbstverständlich, normal. Medien berichten über das, was auffällt, was nicht „normal“ ist.

Wo gibt es Friedens-Konzepte?

In der Philosophie: Toleranz war in der Geschichte ein sich wandelnder Begriff:
• Zunächst: Toleranz gegenüber anderen (oft neueren) Religionen,
• im 18. Jhdt: mit der Franz. Rev. kam der Toleranz-Begriff in die weltliche Politik
• beim modernen Toleranz- Begriff wird gegenseitige Anerkennung betont,
• es nicht leicht, „Toleranz“ klar zu definieren.

Religionen haben im allgemeinen Frieden zum Ziel, trotzdem gab es zahlreiche Religionskriege.
Buddhismus: Religion der Gewaltfreiheit (keine Zwangs-Bekehrung, keine Religions-Verfolgung), aber interne Kämpfe und Kriege.
Buddha: Ziel der buddh. Praxis: Harmonie mit sich selbst und der Umwelt, keine Theologie an sich.

Als griffigste Vorgabe für Frieden erscheint mir der Satz: „Liebe den Nächsten wie dich selbst“ – laut Jesus der Inbegriff eines guten Lebens. Dieser Satz wird durchaus auch von vielen Nichtchristen, und Ungläubigen akzeptiert.

In der Praxis kann man sich darunter in etwa vorstellen:

1. Bejahe grundsätzlich den anderen – wie dich selbst
2. Respektiere den anderen grundsätzlich -¬ Wertschätzung (er ist ein Kind Gottes),
3. geh zunächst davon aus, dass er dir grundsätzlich Gutes will. Der andere braucht dich (wie du ihn)
4. umarme ihn (nicht immer wörtlich), im Sinne von: widme dich ihm, z.B. sei verständnisvoll, hilfsbereit

Sogar die meisten Psychologen sind der Meinung, dass wir mit dieser Haltung ungleich bessere Erfahrungen machen als mit dem Gegenteil davon, mit: 1. Verachtung, 2. Gering-schätzung, 3. Böses unterstellen, 4. Ignorieren/Zurückweisung.

Auch Eltern wissen das. Ihr Ziel ist: Friede im Kinderzimmer. Sie sagen ihrem Kind, wenn ein Geschwisterl erwartet wird, schon vor dessen Geburt:

1. Bejahen: du bekommst eine/n Schwester/Bruder – wir freuen uns!
2. Respekt: wir bereiten ein Bett, Kleidung, Spielzeug usw. vor, – geben ihm/ihr Raum – schon vor der Geburt
3. er/sie ist zunächst ganz klein und hilflos – braucht uns
4. wir wollen das Baby umarmen – ganz lieb zu ihm sein, damit es wächst und sich gesund entwickelt
Nächstenliebe zum Noch-Ungeborenen ist Teil des Friedenskonzepts der Familie. Eltern lieben beide (all ihre) Kinder.

Wenn eines der Kinder sagt: „Er/sie mag mich ja gar nicht“, glätten die Eltern die Wogen (Verständnis) und siehe da: Kinder vertragen sich wieder – auch nach den heftigsten Streitereien.
Sie können Ärger vergessen, verzeihen: und die Welt schaut wieder total anders aus.
In erster Linie zählt für sie das Miteinander. Sie wollen nicht alleine sein, sie wollen miteinander sein.

Wenn kleine Kinder Gefühle nähren und wachsen lassen würden wie:
1. Rechthaben-wollen – um jeden Preis,
2. verletzter Stolz,
3. Vorwürfe,
4. nachtragend-sein,
gäbe es für sie kein Miteinander. Manchmal kämpfen sie ja auch mit diesen Gefühlen, und brauchen die Hilfe der Eltern. Aber sie sind prinzipiell in der Lage schnell zu vergessen, zu verstehen, zu vergeben – vom Gesichtspunkt des Erwachsenen aus oft überraschend schnell. Und schließlich lernen sie trotz unterschiedlichen Alters, Charakters, Alltagserlebnissen immer wieder miteinander auszukommen.
Je öfter sie dies geschafft haben, desto selbstverständlicher wird es für sie, dass es unterschiedliche Beziehungsphasen gibt, und dass Versöhnung möglich ist.

Untersuchen wir die Ursachen für Auseinandersetzungen zwischen Erwachsenen, sei es zwischen Individuen, Gruppen, politischer Parteien, Religionen, Volksstämmen, Nationen etc. näher, können wir sehen: es geht es immer wieder darum, dass eine Seite haben will, was die andere hat – also um Neid. Dabei kann es um Besitztümer, Ansehen, Liebe gehen.

Haben wir aber zum anderen eine positive Beziehung – wie beschrieben, wird man ihm das, was man haben möchte, nicht einfach heimlich oder mit Gewalt wegnehmen. Man kann ja mit dem anderen reden. Vielleicht hilft er einem ja dabei auch etwas ähnliches zu erwerben. Es gibt so viele Möglichkeiten, wenn wir miteinander verbunden sind.

Auffallend ist: manche Geisteshaltung, die wir heute negativ beurteilen, war im vergangenen Jahrhundert – vor und während der zwei Weltkriege – vielfach gar nicht negativ besetzt. Man verstand sie als Ausdruck von Charakterstärke, und glaubte an Entsprechungen wie zum Beispiel:

1. Ich habe recht, alles andere ist grundsätzlich falsch – starker verlässlicher Charakter
2. verletzter Stolz – das vergesse ich nie – man ist nicht wankelmütig
3. dieselben Vorwürfe immer wieder erwähnen – man weiß genau, was richtig/falsch ist
4. Nachtragend-sein – kein Vergessen/Vergeben – charaktervoll, man ändert seine Meinung nicht

Im Grunde war dies eine Haltung, wie wenn das christliche Gedankengut vergessen worden wäre.
Natürlich dachten nicht alle Menschen so. Man verstand darunter auch eher männliche Tugenden. Wenn Frauen und Männer so gefühlt und gehandelt hätten, wären wir wahrscheinlich ausgestorben.

Hitler kam diesem Denken jedoch sehr entgegen: Sehr emotional äußerte er in seinen öffentlichen Reden wiederholt Vorwürfe in verschiedenste Richtungen, zum Beispiel gegenüber bestimmten europäischen Ländern bezüglich ihres Verhaltens nach dem ersten Weltkrieg Deutschland gegenüber.
Ohne den Täter zum Opfer machen zu wollen: Auch die Historiker sagten und sagen, Deutschland hätte aufgrund der ihm aufgezwungenen Friedensverträge nach dem ersten Weltkrieg kaum die Möglichkeit gehabt, wirtschaftlich wieder hochzukommen. Und sie sehen darin einen Hauptgrund für die hohe Arbeitslosenrate, die wieder der Nährboden dafür war, dass Hitlers Vorwurfshaltung bei so vielen Menschen Anklang fand. Und schließlich sprach Hitler davon, dass Deutschland das Recht habe (!) Krieg zu führen. Wie wenn der Satz „Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst“ nie existiert hätte. Viele wirklich gläubige Menschen haben sich auch von ihm distanziert. Viele von ihnen haben geschwiegen, viele zu spät die Absurdität seiner Aussagen erkannt.

Die Friedensverträge nach dem zweiten Weltkrieg waren ganz anders. Meine Meinung ist: Man hat aus der Geschichte gelernt.

Denn das Verhalten der Alliierten nach dem zweiten Weltkrieg war ein Ausdruck von Nächstenliebe, ja der Feindesliebe.
Trotzdem Deutschland/Österreich einen Krieg begonnen hatten, der weltweit ca. 60 Mio. Kriegs-Opfer (in 25 Nationen) gekostet hatte, wurde Deutschland und Österreich Unterstützung zum Wiederaufbau angeboten: durch den Marshallplan, der aus Nahrungsmittel- und Investitionsgüter-Lieferungen und Geldmitteln bestand. Die Meinung, dass die USA damit dem Einflussbereich der Sowjetunion in Europa entgegenwirken wollte, ändert nichts daran, dass Deutschland und Österreich (und West-Europa) Hilfe bekamen, die letztendlich das „Wirtschaftswunder“ ermöglichte.

Natürlich wurde dieses auch durch harte Arbeit und eine Entwicklung in Richtung liberalere Wirtschaftspolitik in Westeuropa erreicht. Es war jedem klar:
• es darf keinen Krieg mehr geben
• wir müssen zusammenhalten (alle – auch Partei-übergreifend, Staaten-übergreifend)
• wir müssen alles wieder aufbauen – zusammen

Ich habe auch immer wieder folgende Erzählungen von Zeitzeugen nach dem zweiten Weltkrieg gehört: wir haben für die Zukunft gebetet, wir haben für ein freies Österreich gebetet. Durch dieses Gebet haben wir auch im zerbombten Wien an die Zukunft glauben können.

Dieses Miteinander nach dem Krieg war nicht leicht: denn es gab ja sehr verschiedene Ansichten über die unmittelbare Vergangenheit und den Nationalsozialismus.
Aber die Menschen verstanden: ohne Zusammenhelfen würde es keine Hoffnung für die Zukunft (für die nächste Generation) geben.

Dieses Miteinander und die Nächstenliebe waren eine gute Grundlage für das Verständnis des „Positiven Denkens“. Und nach meiner Beobachtung ist für die heutige Jugend ein positives Miteinander – und nicht Rechthaben – viel selbstverständlicher geworden.

Ich glaube nicht, dass Jesus Anstoß daran nimmt, dass dieses Miteinander nicht immer mit seinem Namen und mit seiner Aufforderung zur Nächstenliebe verbunden wird.

Ich denke auch, Jesus wollte mehr sagen als: denkt positiv und seid nett zueinander.

Weil er verstand, dass es dem Menschen als Erbe einer Geschichte mit so vielen Auseinandersetzungen, Kriegen nicht möglich ist, dauerhaften Frieden zu schaffen, indem er einfach sagt: ok, wir wollen von jetzt an liebevoll miteinander umgehen.

Jesus hat zwar ganz klar gemacht, dass wir Brüder und Schwestern sind, weil wir gemeinsame Eltern haben. Er sprach ja von Gott als unserem Vater. Wir würden heute Gott – unsere Eltern – sagen.

Aber er hat auch ganz klar gemacht, dass der Mensch offensichtlich von Gott abgeschnitten, getrennt ist. Jesus betonte, dass Gott den Menschen liebt, aber dass es auch am Menschen – also: an uns – liegt, diese Trennung zu überwinden. Um dem Menschen dabei zu helfen, hatte Gott immer wieder Propheten geschickt, die schließlich voraussagten: Wenn die Zeit reif ist (im Sinne von: wenn ihr bereit seid) wird Christus, der Messias kommen, der den Menschen mit Gott verbinden wird. Das ist das Verständnis der jüdischen und christlichen Religion.

Diese theologische Sicht scheint für viele Menschen immer mehr realitätsfremd zu sein. Es ist mir als junges Mädchen ähnlich gegangen. Ich meinte damals: Mein Verstand könne damit nichts anfangen.

Das Buch der Vereinigungsbewegung „Das Göttliche Prinzip“ hat mein Gefühl und meinen Verstand jedoch sehr angesprochen.
Das Prinzip des Miteinanders ist meiner Meinung nach darin konkreter und griffiger aufbereitet und entspricht mehr dem wissenschaftlichen Denken unserer Zeit. Kurz beschrieben geht es darin hauptsächlich um folgende drei Themengebiete:

Erstens:
• Gott wird beschrieben als Ursprung aller Existenz, dem ein Prinzip des
Miteinanders zugrunde liegt, (z. B.: Elementar-Teilchen, Atome, Materie, Pflanzen-, Tierwelt).
• Die moderne Wissenschaft entdeckt immer mehr dieses Prinzip in der materiellen/physischen Welt.
• Auch der menschliche Körper entspricht ursprünglich diesem Prinzip des Miteinanders.
• Der Geist des Menschen (Gefühl, Intellekt und Wille) hat das Potential dieses Göttliche Prinzip des Miteinanders zu begreifen, es anzuwenden und auf diese Weise Beziehungen friedlich und liebevoll zu gestalten.

Zweitens:
• Es ist unübersehbar, dass der Mensch offen ist für die Verführung zum Bösen. Sogar dann, wenn er die Absicht hat, sich für das Gute zu entscheiden.
• Mithilfe der Symbolik der jüdisch/christlichen Methapher über den „Fall des Menschen“ (Altes Testament) wird auf die Wurzeln der Trennung zwischen Gott und Mensch eingegangen
• und aufgezeigt, wie sich dies im täglichen Leben auswirkt

Drittens:
• Gott hat immer wieder versucht, den Menschen mithilfe von spirituellen Persönlichkeiten zu erreichen. Aus diesem Grund kommunizierte Er z.B. mit Propheten, Religionsgründern, Priestern usw. und inspirierte sie, auch die anderen Menschen zu erreichen.
• Entsprechend dem „Göttlichen Prinzip“ wirkt Gott die ganze Geschichte hindurch – auch heute – auf diese Weise.
• Es die Sehnsucht Gottes, dass der Mensch sich zu einer Persönlichkeit entwickelt, für die es völlig selbstverständlich ist, sich für das Gute, für das Miteinander zu entscheiden.

Dieser Vortrag wurde von Frau Ulrike Schütz im Rahmen der Familienföderation für Weltfrieden in Wien gehalten.

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