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Wo bitte geht’s hier zum Paradies?

Heinz KDies ist der Titel des vom KandoVerlag herausgegebenen Buches von Heinz Krcek. Der in Wien aufgewachsene junge Mann trat nach 4 Semestern Studium der Elektrotechnik in ein Benediktinerkloster ein, studierte dann Theologie und wurde zum Priester geweiht. Anschließend war er als Erzieher und Leiter einer Internatsschule, als Pfarrer, Schriftleiter und Studentenseelsorger tätig. Durch die Mutter eines seiner Schüler lernte er die Vereinigungsbewegung kennen, deren Theologie er gründlich studierte.  Ein tiefes geistiges Erlebnis führt ihn schließlich aus dem Orden heraus und veranlasste ihn, eine Familie zu gründen und im Weiteren als Seelsorger und Leiter in der Vereinigungsbewegung tätig zu sein.

Sein Buch, 21 Reden und Predigten zu verschiedenen Anlässen, sieht er als Brückenschlag zu seinen „älteren Brüdern“ in der katholischen Kirche im Allgemeinen und zu den Benediktinern im Besonderen.

Als Kostprobe lesen Sie hier die erste seiner Reden:

Buchcover-Paradies„Das Reich Gottes und „Ich“: 

Meine Beziehung zu Gott

 Stellen wir uns einmal vor, wir wandern ganz allein durch die Wüste. Weit und breit kein Mensch. Wir sind müde, hungrig und vor allem durstig. Da erblicken wir am Horizont etwas, das für unser Auge und unsere Erfahrung gar nicht in jenes Bild der Wüste passt, das wir uns bisher gemacht oder selbst erlebt haben. Was kann das sein? Ein Fels, ein Baum, ein Haus, ein Kamel? Während wir uns diesem Gegenstand oder Wesen nähern, stellen wir fest, dass es sich bewegt. Daher kann es kein Baum, kein Fels sein. Es muss ein lebendes Wesen sein, das nicht gezwungen ist, ständig auf ein und demselben Platz zu bleiben. Könnte es auch ein Mensch sein? Unsere Vermutung wird sich bestätigen, wenn wir dieser „Sache“, dieser Erscheinung noch näher gekommen sind. Während wir langsam darauf zugehen, erahnen wir immer mehr, dass es sich hier tatsächlich um einen Menschen handeln muss. Aber noch wissen wir nicht, ob es sich dabei um einen Mann oder eine Frau handelt, ob er oder sie meine Sprache spricht, ob ich ihn oder sie verstehen werde und er oder sie mich usw. Wie dieser Mensch, den ich hier im Laufe meiner Wanderung durch die Wüste meines Lebens begegne, wirklich ist, wie er fühlt und denkt, was ihn bewegt und freut, welche Sehnsüchte und Ängste er hat, all dies kann ich erst erfahren, wenn ich mich entschließe, mich auf diesen Menschen einzulassen, mit ihm den Weg gemeinsam zu gehen, ein Stück oder mein ganzes Leben lang.

Ist es nicht mit unserer Begegnung mit Gott auch so? Am Anfang unserer eigenen Geschichte und der gefallenen Geschichte der Menschheit ist Gott weit weg, ein Etwas (ein Tier, die Sonne, das Feuer), Energie vielleicht und Schwingung, ein nebuloses kosmisches Bewusstsein, ein unbekanntes und unerkanntes Wesen, das uns irgendwie leitet. Doch später, wenn wir ihn näher kennen lernen, dann entdecken wir, dass er, wie alles in unserer erfahrbaren Welt, männlich und weiblich ist, dass Gott unser Ursprung, unsere Eltern ist, Vater und Mutter, die Quelle unseres Lebens und Seins. Wir erfahren je nach der Dichte und Intensität unserer Begegnung mit Ihm, dass Gott Gedanken und Gefühle hat, Richtlinien und Ordnungen, und dass Gott ein Gott der Schönheit und vor allem eines ist: ein Gott des Herzens, der Liebe.

Aber um das persönlich zu erfahren, genügt es nicht in einem abgeschiedenen Raum oder auf einer einsamen Insel zu sitzen und in heiligen Büchern zu lesen und zu meditieren. Wir müssen leben, unser Leben für andere, für unseren Partner, für unsere kleinere und größere Familie, für unsere Gemeinde, für unsere Nation, ja für die ganze Menschheit investieren, Taten und Handlungen setzen, von denen wir in unserem Inneren, in unserem Gewissen überzeugt sind, dass sie mit der universellen Ordnung übereinstimmen und dem Wohl anderer Menschen und aller geschaffenen Wesen nützlich sind.

Vor einigen Wochen habe ich im Rundfunk während einer Fahrt mit dem Auto ein Gespräch mit dem Autor, Komponisten Kabarettisten jüdischer Herkunft Gerhard Bronner gehört. Unter anderem erzählte er, dass ihn eine jüdische Gemeinde in den USA, wo er viele Monate des Jahres wohnt, gebeten hatte, eine Musik für den Gottesdienst zu schreiben. Herr Bronner hat den Rabbiner darauf aufmerksam gemacht, dass er orthodoxer Atheist und von daher für diese Aufgabe wohl nicht der geeignete Mann sei. Darauf hatte der Rebbai geantwortet: So what? Solange Sie das tun, was Gott von ihnen will, ist es ihm schnurzegal ob Sie an glauben oder nicht.

Ich denke, dass dies ein ganz wesentlicher Punkt ist: Es gibt viele Menschen in der Welt und der Geschichte, die von sich behaupten, an Gott zu glauben. Doch sie handeln nicht danach oder nur sehr bruchstückhaft, dann und wann. Sie erinnern sich an Gott, wenn die Flutkatastrophe plötzlich über sie hereinbricht.

Der thailändische Buddhist und Sozialkritiker, Rechtsanwalt, Wirtschaftsexperte und Verleger Sulak Sivaraksa sagt in seinem Buch „Saat des Friedens“:

„Seit dem Aufstieg des Kapitalismus dienen die bedeutenden Glaubensrichtungen

in der ganzen Welt den Reichen, auch wenn sich ihre

Führer mit schönen Worten für die Armen einsetzen. Es gab nicht

genügend prophetische Stimmen, und daher haben sich weder unsere

Gesellschaftsordnung noch unser Wirtschaftssystem in Richtung

Frieden und Gerechtigkeit für die ganze Menschheit verändert.“1

Auch diese Einsicht stellt klar, dass der Glaube an Gott an unserem Leben füreinander sichtbar werden muss, sonst ist er eigentlich nutzlos.

Was mich von Anfang an bis heute an Rev. Sun Myung Moon so fasziniert, ist sein unermüdlicher Einsatz, um Gottes Sehnsucht und Herzenswunsch in und mit dieser Welt zu verwirklichen: An diesem Herzenswunsch hat sich seit Beginn der Menschheit und seit der Geburt Jesu in Bethlehem nichts geändert: Friede den Menschenauf Erden. Seit seinem 16. Lebensjahr setzt der Wahre Vater bewusst trotz enormer Hindernisse, Anfeindungen und Missverständnisse all seine Kraft, seine Zeit, seine Ressourcen, sein ganzes Leben dafür ein, diesen Frieden, das Reich Gottes auf Erden zu errichten. Mit absoluter Entschlossenheit setzt er einen Fuß vor den anderen, um diesem Ziel näher zu kommen. In der Bergpredigt heißt es von solchen Menschen: Selig sind die Friedensstifter, sie werden Söhne Gottes genannt werden.2

Von so einem Menschen fasziniert zu sein, gewissermaßen zu einem Fanclub zu gehören, ist ein erster Schritt. Doch dies alleine bringt mich und die Welt letztlich auch nicht weiter. Gott möchte sich nicht nur durch einen einzigen Menschen in dieser Welt bemerkbar machen, zum Ausdruck bringen. Er möchte nicht nur in meinem Herzen wohnen, sondern in meiner Familie, in meinem Dorf und in meiner Gemeinde, in meiner Nation, in der gesamten Menschheit.

Doch damit er das kann, müssen wir die entsprechenden Bedingungen schaffen und erfüllen, das heißt, wir müssen zunächst individuell ganz sein, eine Einheit in uns selbst darstellen. Auch der allmächtige Gott kann den Wein seiner Wahrheit und Liebe nicht in ein Gefäß füllen, das erstens nicht ganz dicht, zweitens nicht ganz rein und drittens nicht offen ist. Anders ausgedrückt: Gott kann nur mit einem vollkommenen, einem vollendeten Menschen, einem Menschen, der den Zweck der Schöpfung in sich erfüllt, eine direkte Beziehung eingehen. Und in einem weiteren Schritt sollten sich all jene, die sich diesem hohen Ziel der Errichtung eines Königreiches des Friedens auf Erden und im Himmel verschreiben, zusammenschließen und miteinander an dessen Verwirklichung arbeiten. Denn einer alleine kann nicht für sich realisieren, was alle angeht. Eine Glaubensgemeinschaft kann nicht für sich alleine verwirklichen, was alle betrifft. Auch Gott kann das nicht. Um hier in dieser materiellen Welt zu leben, hat er sich selbst einen Körper gegeben – und das ist der Mensch, das sind du und ich, die gesamte Menschheit.

Im Laufe der Entwicklungsgeschichte der Menschheit begegnen wir in den verschiedenen Kulturkreisen den unterschiedlichsten Vorstellungen über Gott in vielen Religionen, Riten und Theologien. Je mehr und intensiver wir uns mit der Frage nach Gott und seiner Existenz, mit der Frage, ob es ihn überhaupt gibt, und wenn ja, wie er dann wohl sei, befassen, umso näher lernen wir ihn kennen.

Aber wie kann ich Gott kennen lernen? Eine Antwort können wir finden, wenn wir uns die Frage stellen, wie ich einen Menschen kennen lernen kann. Lerne ich einen Menschen kennen, wenn ich von ihm ein Foto anschaue oder ein Buch über ihn lese? Das mag ein brauchbarer Anfang sein.

Vor über dreißig Jahren bekam ich ein Taschenbuch in die Hände, mit dem Titel: Mein Leben und mein Volk, geschrieben vom jetzigen Dalai Lama. Dieses Buch hat mich nicht nur interessiert, es hat in mir im Laufe der Lektüre den brennenden Wunsch entfacht, diesen Autor, der seinen eigenen Werdegang beschreibt, persönlich kennen zu lernen. Es hat sich dann gefügt, dass ich die Möglichkeit hatte, nach Indien zu fahren. Und eines schönen Tages saß ich nördlich von Dharam Salah in McLeod Ganj dem Dalai Lama in seinem Haus gegenüber und wir sprachen über Gott und die Welt. Die persönliche Begegnung mit ihm hat die Informationen aus dem Buch weit in den Schatten gestellt, ja ganz unwichtig erscheinen lassen.

Ist es nicht mit Gott auch so? Da ich eine Person bin, muss auch mein Ursprung, müssen meine allergrößten Großeltern, muss Gott auch so etwas wie eine Person sein: Daher muss eine persönliche Begegnung zwischen ihm und mir möglich sein. Es mag sein, dass diese Begegnung einmalig ist – wie bei mir und dem Dalai Lama. Dann wird sie zwar einen Eindruck, womöglich einen tiefen Eindruck hinterlassen, wird aber in der Folge mein Leben nicht nachhaltig beeinflussen und bestimmen.

Auch auf den Wegen der Religionen entdecken wir ein ähnliches Phänomen: Wir können durch die Upanishaden, die Schriften Buddhas, das Alte und Neue Testament, durch Talmud und Midrasch, den Koran, das Buch Mormon oder manche andere Schrift angeregt werden, Gott zu suchen und nach seinem Willen unser Leben zu gestalten. Wenn wir jedoch einmal Gottes Herz erfahren haben, wenn wir tief in unserem Herzen spüren, wie er fühlt und denkt, was ihn bewegt, was ihn erfreut, woran er leidet, dann haben diese Schriften nicht mehr diese herausragende Bedeutung. Der Schreiber eines Briefes ist wichtiger als sein Brief. Und vor allem: In der Interpretation dieser Briefe bzw. Schriften, die zu verschiedenen Zeiten in unterschiedlichen Kulturkreisen und Sprachen entstanden sind, können wir uns sehr irren. Dies zeigt ja auch die Geschichte. Wegen unterschiedlicher und gegensätzlicher Auslegungen unserer heiligen Texte haben wir einander die Köpfe eingeschlagen und tun das bis zum heutigen Tag. Kann das Gottes Wille sein, Absicht, Herzenswunsch? Freuen sich nicht Eltern, wenn alle ihre Kinder trotz unterschiedlicher Interessen einander respektieren, achten, wenn sie alle eins sind, ein Herz und eine Seele? Wenn ihre Kinder füreinander und damit friedlich miteinander leben?

Wenn ein Baby auf die Welt kommt, weiß es ganz automatisch, dass und wie es an der Brust der Mutter saugen muss. Niemand musste es im Bauch der Mutter diese Kunst lehren. Wären wir am Beginn der Menschheit aufgrund des Sündenfalls nicht von unseren himmlischen Eltern, also von Gott getrennt worden, würden wir instinktiv, ohne allen Religionsunterricht, ohne jegliche Riten und Sakramente Gott als unserem Vater und unserer Mutter ganz selbstverständlich folgen. Stattdessen haben wir eine Welt errichtet, in der es möglich geworden ist, Gottes Existenz sogar zu leugnen. Sobald wir jedoch die Realität Gottes in unserem täglichen Leben direkt erfahren, werden wir fähig sein, Gottes Willen jeden Augenblick ganz natürlich wahrzunehmen. Wir werden fähig sein, in völliger Übereinstimmung mit seinem Willen zu leben, ohne dass jemand auch nur ein Wort zu uns sagen müsste. Wir werden Menschen werden, die nicht einmal sündigen könnten, weil die lebendige Liebe zu Gott dies ganz unmöglich macht. Wie es schon Augustinus, der Bischof von Hippo, vor über 1600 Jahren zum Ausdruck brachte: „Liebe und tue was du willst!“

Wenn ich einen Freund gewinnen will, einen Partner fürs Leben, dann genügt es nicht, dass ich mit ihm einmal pro Woche für zwei Stunden im Café Glockenspiel3 sitze und mit ihm über die Tagespolitik und die Pisa Studie plaudere. Gewiss, es entsteht ohne Zweifel eine persönliche Beziehung, eine Kenntnis des anderen. Doch wenn ich mich entschließe, mit diesem Menschen täglich unter einem Dach zu wohnen und alles gemeinsam mit ihm zu unternehmen und zu teilen, dann wird es möglich sein, dass wir ein Herz und eine Seele werden.

Sollte es mit unserer Beziehung zu Gott anders sein? Es genügt nicht, ein vages Gottesbild in unseren Köpfen zu tragen, wie eine mathematische Formel, die wir einmal auswendig gelernt haben. Wir müssen seine Existenz, ja sein Herz in unseren Knochen spüren. Wir müssen wissen, in welcher Beziehung Gott mit uns steht und wir müssen erkennen, aus welchem Grund er das Universum und den Menschen hervorgebracht hat.

Ich möchte mit einem Gedicht schließen, das dem Werk des englischen Dramatikers Christopher Frey entnommen ist:

„Das menschliche Herz kann gehen soweit wie Gott.

Dunkel und kalt mögen die Zeiten sein,

doch dies ist kein Winter jetzt.

Das gefrorene Elend aus Jahrhunderten reißt,

bricht, kommt in Bewegung.

Der Donner ist der Donner der Ströme,

des Tauens, der Flut, des plötzlichen Frühlings.

Gott sei Dank!

Unsere Zeit ist jetzt!.

Jetzt, da das Falsche hochkommt,

um uns überall zu begegnen

und um uns niemals zu verlassen,

bis wir den größten Schritt der Seele tun,

den Menschen jemals taten.

Die Dinge sind jetzt seelengroß.

Forschungsreise ins Göttliche ist das Unternehmen.

Aber worauf wartet ihr?

Es braucht so viele tausend Jahre zu erwachen.

So erwachet doch, um Himmels willen!“4

 

 

1 Sulak Sivaraska, Saat des Friedens, Aurum Verlag, Braunschweig 1995, S. 95

2 Mt 5,9

3 Ein sehr bekanntes und beliebtes Café in des Stadt Salzburg

4 Zitiert nach dem Video: The Global Brain von Peter Russel

 

Für Auskunft und Fragen steht Heinz Krcek unter der E-Mail Adresse: hkrcek@ettl.net  zur Vefügung.

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