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Wie die Öffentlichkeit mit Sun Myung Moon umgeht (September 2012)

von Michael Breen (Korea Times)

(Übersetzung: Johannes & Dominik Stampf)

Es ist schwer einen Milliardär zu bedauern, noch schwerer, wenn er von Tausenden als Weltmessias gesehen wird.

Aber verwenden Sie einmal einen Gedanken an den Rev. Sun Myung Moon, der in der Öffentlichkeit außerhalb eines inneren Kreises, von dem er verehrt wird, niemals eine gute Presse hatte. Er wurde während der meisten Zeit seines Erwachsenenlebens nur verschmäht und verspottet. Die Kritik und Hetze seinen Nachfolgern gegenüber – verächtlich als „Moonies“ bekanntgemacht – war unerbittlich. Warum? Nicht weil ihre Glaubensinhalte oder ihre Ansprüche irrwitziger oder lächerlicher wären als die anderer religiöser Auffassungen, sondern weil sie neu waren.

 

Ironischerweise drang seine Kernbotschaft, dass Gott leidet, niemals durch den Lärm, von dem allein alles bestimmt wurde.

Nur in der Zeit seines würdigen Alters – er war 92 – ließen ihn Regierungen und Medien in Ruhe, was erklärt warum er aus den Nachrichten verschwand und die meisten Menschen unter dreißig, sogar in Japan und Korea, den Ländern mit der größten Anhängerschaft, noch nicht einmal von ihm gehört haben. Als er am 14. August 2012 lebensgefährlich an einer Lungenentzündung erkrankt in das St. Mary’s Krankenhaus in Gangnam, Seoul, gebracht wurde und die Ärzte ihm nur noch eine 50-50 Chance gaben, erachteten die meisten Tageszeitungen diese Meldung nicht Wert auf ihre Titelseite zu bringen.

Es ist nur noch ein ferner Schrei aus den 1970er und 1980er Jahren, als die Sensationsmedien in Amerika, Europa und anderswo Moon zum berüchtigtsten Koreaner der Welt machten.

Alle, so schien es, hatten einen Grund ihn abzulehnen. Die politische Linke hasste ihn, weil er sagte, dass der Kommunismus der Antichrist sei; Die Christen betrachteten ihn als den Anti-Christ; für die meisten war er ein Bauernfänger, der die Religion dazu benutze um reich zu werden, ein Gehirnwäscher für junge Menschen, ein Irrer, der mit den Toten plaudert, ein Mann, der die Familien zerstört, der eine Waffenfabrik hatte, der das Weiße Haus kontrollieren wollte und vielleicht sogar die Weltherrschaft anstrebe. Der Präsentator einer wöchentlichen Religionssendung im üblicherweise sachlichen BBC berichtete einmal über Moon, gekleidet in eine Flak Uniform mit einem sportlichen M 16 Gewehr.

Mit dieser Medieninterpretation zufrieden scheiterte die Gesellschaft die richtigen Fragen darüber zu stellen, wofür Moon steht und ob er wirklich so gefährlich war. Als Resultat setzten ihn sogar Demokratien gemeinsam mit bekannten Terroristen auf ihre Schwarze Liste. Jahrzehntelang wurde er aus Japan und den meisten europäischen Ländern verbannt.

Wie diese Geschichte auch unschmeichelhaft die Unfähigkeit der meisten Gesellschaften aufzeigt mit Häretikern in einer würdigen und demokratischen Weise umzugehen, ist sie doch ein modernes Beispiel für das alte Phänomen, wie eine Religion geboren wird.

Moons wirkliche Straftat ist es ein moderner Jesus zu sein, etwas Neues über Gott zu sagen zu haben und indem er das macht, geistig über uns, allen anderen zu stehen. In diesen Ansprüchen liegt nicht die geringste Scheu. Moon glaubt, dass er den Sündenfall, also den Prozess, durch den in den Glaubenssystemen des Judentums, Christentums und Islams das Böse in die Welt gekommen ist, umgekehrt hat. Er glaubt, dass die Mitglieder seiner Familie sündenlos sind und ein besseres Erbe haben als wir anderen.

Warum kann er unter diesen Umständen nicht einfach ignoriert werden?

Seine Geschichte begann zwischen dem Ende des zweiten Weltkrieges 1945 und dem Ausbruch des Koreakrieges 1950 in Pyongyang. Seine zentrale Lehre, die er in langen emotionalen Predigten verkündete, war, dass Jesus ein ganzes und beispielhaftes Leben hätte führen sollen, aber stattdessen von den konservativen Religionsführern seiner Zeit an die Kolonialherren zur Exekution ausgeliefert wurde. Im Gegensatz zur üblichen christlichen Lehre verkündete er, dass dieser Mord gegen Gottes Willen war. Auch lehrte er in häretischer Weise, dass der gleiche Jesus nicht wie versprochen wiederkommen werde, sondern dass seine Mission von einem anderen Mann vollendet werden sollte.

Diese Ideen und Moon’s Charisma elektrifizierte eine kleine Gruppe von Christen. Nachdem dann einige Schlüsselpersonen ihre Kirchen verließen und zu Moon kamen von dem sie dachten er sei der prophezeite Messias, lieferten protestantische Pastoren ihn an die kommunistischen Machthaber aus.

Moon wurde eingesperrt und von der koreanischen Polizei, die von den Japanern in der Foltertechnik bestens geschult war, schwer gefoltert. Er wurde frei gelassen und ein Jahr später wegen „Unruhestiftung“ angeklagt und ins Gefängnis gebracht. Er wurde zu einem Arbeitslager in der Stadt Heungnam an der Ostküste Koreas verurteilt, wo er bereits zwei Jahre und acht Monate gedient hatte als die Wächter die Gefangenen frei ließen als die Südkoreanische und die UNO-Armee vorrückten.

Insgesamt wurde Moon sechs Mal eingesperrt. In Südkorea Mitte der 1950-er Jahre wurde er nachdem einige Professoren und Studenten der Methodistischen Ewha Frauenuniversität seiner Kirche beitraten an die Polizei ausgeliefert. Er wurde ins Gefängnis gesperrt, aber nach einem Prozess wieder als unschuldig entlassen. In den 1980-er Jahren wurde er in Connecticut in den Vereinigten Staaten zu 18 Monaten wegen Steuerhinterziehung verurteilt, weil er für Kirchengelder verantwortlich gemacht wurde die sich auf Konten befanden, die auf seinen Namen lauteten.

Moon wurde 1920 in einem Dorf in der Nord Pyeongan Provinz in Nordkorea geboren. Er sagt, er habe seine Theologie in einem Zeitraum von 9 Jahren des Gebetes und der Einsicht entwickelt, der mit einer Begegnung mit Jesus begann, die er im Alter von 15 Jahren hatte. Die Wurzel seiner Theologie liegt im Juden- und Christentum, und er näherte sich seiner Beziehung zu Gott mit der konfuzianistischen Haltung eines treuen Sohnes.

Seine Interpretation des biblischen Sündenfalls besagt, dass die ersten Menschen Gott nicht missachteten indem sie eine Frucht aßen sondern indem sie vorzeitige Sexualbeziehungen hatten. Die Ansicht, dass ein selbstbezogener Missbrauch der Liebe an der Wurzel der menschlichen Sünde liegt, führt in der Vereinigungskirche zu strikten Ansichten über Sex.

Wenn auch seine Lehre auf Moon als den prophezeiten Messias hindeutet, stellte er diesen Anspruch außerhalb der Vereinigungskirche nicht bis in die frühen 1990er Jahre, als er einer Reportergruppe und Akademikern sagte, dass er und seine Frau Han Hak-ja, die „Wahren Eltern der Menschheit“ seien.

Als er einmal gefragt wurde ob er der Messias sei, antwortete Moon: „Ja“. Dann zeigte er auf jede einzelne Person, die mit ihm am Tisch saß und sagte: „Aber auch du, und du, und du, ihr alle seid Messiasse“.

Der Vermerk – „und ihr alle seid Messias“ – wirft ein Licht auf das Puzzle, wie ein Bauernsohn aus Korea so viele Menschen aus Universitäten und Mittelklasse Familien in hochentwickelten Ländern anziehen konnte.

Sie sind größtenteils dezente, gebildete und idealistische Menschen, die in Moons Licht transformiert wurden zu glauben, dass auch sie ihren messianischen Anteil an der Rettung der Welt erfüllen.

Wie es ihnen ohne Ihm gehen wird, bleibt eine offene Frage

Der Verfasser ist Kolumnist der „Korea Times“ und der Autor von “Sun Myung Moon: The Early Years 1920-53.”

 

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