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Gottheiten im Römischen Imperium und der Aufstieg des Christentums

 

Gottheiten im Römischen Imperium und der Aufstieg des Christentums

Referat und Diskussion über die Glaubensvorstellungen
der Römer und deren Einfluss auf das Christentum von Mag. Barbara Grabner.

Mit dem Edikt von Mailand 313 n. Chr. wurde Glaubensfreiheit garantiert, der Aufstieg des Christentums zur Staatsreligion begann.

Welche Rolle spielte das Römische Imperium für die Verbreitung des Christentums? Das Weltreich umspannte drei Kontinente und hatte eine gemeinsame Sprache, nämlich Latein; es vereinte viele Nationalitäten und Kulturen. Die äußeren Strukturen waren fast perfekt, der verbindende geistige Inhalt fehlte weitgehend. Es war eine materialistische Macht, der eine höhere Spiritualität fehlte. Aber es gab bereits einen Austausch mit China und Indien; die Römer kannten bereits Konfuzius und andere Lehren Asiens.

Als sich das Christentum zu verbreiten begann, konnten die christlichen Missionare die römische Infrastruktur nutzen und binnen 400 Jahren ihren Glauben im ganzen Reich verbreiten, wobei die geographische Lage Palästinas durchaus hilfreich war. Wer verbreitete das Christentum im Römischen Reich? Nicht zuletzt Händler und Soldaten, die weit umher reisten; ihr Glaube und ihre Kultgegenstände reisten mit ihnen. Es gibt Funde aus dem 3. und 4. Jahrhundert wie z.B. Öllampen, Ringe, Münzen mit dem Christusmonogramm.

Fremde Götter wurden von den Römern durchaus akzeptiert. So war zum Beispiel der Isiskult im 2.-3. Jhdt in Rom ziemlich beliebt, auch der Mithraskult hatte großen Einfluss. Die römische Religion hatte keine echte Theologie, sie bestand weitgehend aus Ritualen; so mangelte es beispielsweise an konkreten Vorstellungen vom Weiterleben nach dem Tod. Dieses Vakuum wurde von sog. Mysterienkulten gefüllt (das Christentum rechnete man dazu), die starken Zulauf hatten, da sie Hoffnung auf ein Weiterleben boten. Ihre Lehren besagten, dass dieses kurze, leiderfüllte Erdenleben nur die „Zwischenstation“ zum glückliche Leben im Jenseits sei.

Warum verfolgten die Römischen Kaiser das Christentum, obwohl der Staat prinzipiell tolerant gegenüber fremden Religionen war? Unabhängig von der privaten Kultausübung gab es für alle Bewohner des Reiches zwei Pflichten: Die erste war, dem Jupiter als obersten Gott (optimus maximus) zu huldigen, und die zweite bestand darin, den Kaiser als Fleisch gewordenen Gott zu verehren. Augustus wehrte sich, noch zu Lebzeiten vergöttlicht zu werden, spätere Kaiser hatten weniger Hemmungen. Die Christen jedoch weigerten sich, Jupiter und dem Kaiser zu opfern. Deshalb galten sie als unzuverlässige Elemente und wurden periodisch als Staatsfeinde verfolgt. Wenn der Staat in Gefahr war, mussten all zu oft die Christen als “Sündenböcke” herhalten. Der „Philosophenkaiser“ Marc Aurel zählt zu den sechs größten Christenverfolgern. Während seiner Regentschaft herrschte eine akute Reichskrise, die man den Christen in die Schuhe schob. Die Juden, die ebenfalls ablehnten dem Jupiter und Kaiser zu huldigen, hatten sich seinerzeit einen Sonderstatus ausgehandelt.

Warum konnte das Christentum dennoch zur Staatsreligion werden? Solange Rom bzw. die Kaiser erfolgreich waren, erfreuten sich auch ihre Götter der Verehrung. Als das Reich aber von einer Krise in die nächste stolperte, erwiesen sich die alten Götter als „inkompetent“. Die Weichen stellte Kaiser Konstantin im Jahr 313, als er das Toleranzedikt erließ, das den Christen denselben Status zuerkannte wie anderen Kulten. Geschichtliche Quellen beschreiben eine Vision, die er hatte, nämlich dass er den Sieg in der Schlacht an der Milvischen Brücke nördlich von Rom im Zeichen des Christengottes (Christusmonogramm) erringen würde. Während seiner Regentschaft gewährte er den christlichen Kirchen zahlreiche Privilegien, ließ sich aber erst knapp vor seinem Tod taufen; seine Mutter war die Hl. Helena.

Eine Konkurrenz zum Christentum war der Mithraskult. Auch dieser Kult hatte einen Erlöser, ein Opfertier und andere Ähnlichkeiten. Der Mithraskult wurde von den Kaisern gefördert, schloss aber Frauen aus. Unter den Christen hingegen gab es viele Witwen (und Waisen). Besonders in der ersten Phase muss man sich die Christen großteils als eine Schar einfacher Leute vorstellen. Konflikte waren weiters vorprogrammiert, da die Christen bei den offiziellen Festen nicht mitmachten, nicht einmal beim populären Fest der Saturnalien (17.-25. Dezember). Mit der Umwidmung der Saturnalien in die Feier der Geburt Jesu durch Konstantin war das Dilemma gelöst (Hinweis: bis ins 3.Jhdt galt der März als Geburtsmonat Jesu).

Als die Christen an die Macht kamen, köpften sie die zahlreichen in den Tempeln aufgestellten Götterstatuen. Der Kopf wurde als Sitz der Seele betrachtet. Sicherlich waren auch Rachegefühle im Spiel, da die Hinrichtungen zur Zeit der Christenverfolgung im Namen der Götter Roms durchgeführt wurden. Auch Kaiserbilder und  Altäre wurden vernichtet. Da fast immer Materialnot herrschte, wurden sie oft der Wiederverwertung zugeführt, beim Bau neuer Mauern und Gebäude usw.

Wie “römisch” ist die Katholische Kirche? Zahlreiche Attribute der römisch-katholischen Kirche leiten sich direkt vom römischen Kult ab: Der Bischofsstab ist dem Stab der Auguren (1) nachgebildet; die Kleidung der Bischöfe war und ist wie die römische Tracht. Auch Votivtafeln und Altäre als Weihegabe (um Dankbarkeit zu zeigen) fanden bereits bei den Römern Verwendung. Die römischen Tempel waren mit Statuen gefüllt, ähnlich den Heiligenstatuen in den katholischen Kirchen. Es gab Ministranten, Vorbeter und Musik; auch den Hausaltar hat es schon gegeben. Der Segen der Götter wurde vor allen wichtigen politischen Entscheidungen und Handlungen eingeholt. Die Priester mussten allerdings nicht Theologie studieren, sondern sie kauften sich das Amt. Ihre wichtigste Aufgabe war die kultischen Handlungen korrekt auszuführen – das garantierte ihrem Verständnis gemäß den Segen von oben. Der irdische Erfolg war dabei das Ziel, nicht das Heil im Himmel! Ohne diese fromme Praxis hätte es das Christentum schwerer gehabt. Allerdings rückten in der Kirche im Laufe der Zeit die Kulthandlungen immer mehr in den Vordergrund…

Weibliche Gottheiten und der Aufstieg Marias.

Der antike Götterhimmel war sozusagen paritätisch mit weiblichen bzw. männlichen Gottheiten bestückt. Neben dem Kaiser wurde oft seine Mutter oder Gattin zur “Göttin” erklärt. Neben der Kaiserstatue stand dann die Statue seiner Gattin oder Mutter, deren Kleidung und Körperhaltung als Vorbild für spätere Madonna-Statuen diente. Da der Kaiser als Gott verehrt wurde, wurde seine Mutter bald als “Gottesgebärerin” tituliert. Die Logik, die wir hinter dem „Erhebung zum Gott“ finden, war folgende: warum sollte Jesus Christus kein Gott sein, wenn sich diesen Titel sogar ein (sündiger) Kaiser anmaßte? Und: Seine Mutter hatte sich wohl auch einen ebenbürtigen Titel wie Isis und andere Göttinnen verdient! Die Debatte eskalierte im 4. und 5. Jhdt – bis ein weiteres Konzil den Streit bereinigte, indem man Maria zur „Gottesmutter“ erhob. Die Attribute der weiblichen Gottheiten gingen immer mehr auf Maria über, wie z.B. die Mondsichel der Göttin Diana. Wie gern das Bestehende umfunktioniert wurde, sehen wir z.B. bei der Göttin Isis: Sie trug ihren Sohn (den Gott Horus) auf dem Arm oder hielt ihn auf ihrem Schoß. Eine dieser Statuen wurde später umgetauft in “die ägyptische Madonna mit dem Kinde”. (Text wurde gekürzt)

Vortrag von Mag. Barbara Grabner für die Familienföderation für Weltfrieden in Wien, Juni 2014

Im Museum „Carnuntinum“ in Bad Deutsch-Altenburg gibt es eine aktuelle Ausstellung „Von Carnuntum zum Christentum“ www.carnuntum.co.at, wo man die historischen Belege dazu finden kann.

Wikipedia:
1) Ein Augur war ein römischer Beamter, der zu ergründen hatte, ob ein vom Staat oder von einem pater familias (Familienoberhaupt) geplantes Unternehmen den Göttern genehm sei. Er verkündete den Götterwillen, den er beim augurium aus dem Flug und dem Geschrei der Vögel und anderer Tiere las (Auspizien, von lateinisch auspicium „Vogelschau“).
Das Zeichen der Auguren war ein Krummstab (lituus). Die Übertragung des Amts von einem Auguren auf seinen Nachfolger nannte man inauguratio; auch heute noch ist das Wort Inauguration für eine feierliche Amtseinführung in Gebrauch.

 

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