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Ein einzelner Löwenzahn ist wertvoller als Gold

Drei der größten Herausforderungen unserer modernen Gesell­schaft sind die Lösung der Umweltverschmutzung, das Schaffen eines Bewusstseins zum Schutz der Umwelt und die Erhöhung der Lebensmittelproduktion. Der Erde wurde schon viel zu viel Schaden zugefügt. Unsere endlose Gier nach materiellen Besitztümern hat zu einer starken Luft- und Wasserverschmutzung geführt, die die Natur zerstört einschließlich der Ozonschicht, die uns schützt. Wenn diese Entwicklung so weitergeht, wird sie dazu führen, dass die Menschheit den Konsequenzen und den Fallgruben ihrer rücksichtslosen Jagd nach materiellen Gütern nicht mehr entkommen kann.

In den vergangenen 20 Jahren habe ich daran gearbeitet, die Pantanal-Region in Brasilien zu erhalten und zu schützen. Das Panta­nal – ein Gebiet, das in Brasilien, Bolivien und Paraguay liegt – ist das größte Binnenland-Feuchtgebiet der Welt. Es ist von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden. Ich führe eine weltweite Umweltbewe­gung, um die Lebewesen des Pantanal in einem Zustand unberührter, natürlicher Schönheit zu bewahren, wie es Gott zur Zeit der Schöpfung beabsichtigte.

Das Pantanal, wo Wasser, Land, Tiere und Pflanzen in Harmonie existieren, ist wirklich ein überwältigender Ort. Einfache Worte wie „schön” und „phantastisch” können seinen Wert nicht beschreiben. Luftaufnahmen von dem Gebiet sind so wunderschön, dass eine Sammlung dieser Bilder einer der meistverkauften Natur-Fotobände der Welt ist. Das Pantanal ist eine der Schatzkammern der Menschheit, wo seltene Tierarten wie Weißkopfkapuzineraffen, Rote Brüllaffen, Aras, Jaguare, Anakondas, straußenähnliche Nandus und Alligatoren leben.

Die Pflanzen- und Tierwelt im Pantanal und im Amazonasbecken scheint noch so zu sein wie am Anfang der Schöpfung. Das Pantanal ist wie ein modernes Eden. Die Menschen haben viele Geschöpfe, die Gott erschaffen hat, vernichtet. Zu viele verschiedene Pflanzen- und Tierarten wurden durch die Habgier der Menschen ausgerottet. Doch im Pantanal sind viele Urformen, so wie Gott sie erschuf, erhalten ge­blieben. Ich plane, ein großes Vogelhaus und ein Insektenreservat zu errichten, um einige dieser einzigartigen Tierarten vor dem Aussterben zu bewahren.

Das Pantanal ist nicht nur der Lebensraum vieler Pflanzen und Tiere, sondern auch eine wichtige Sauerstoffquelle für die Erde und ein Speicher zur Absorption von Treibhausgasen. Doch wegen der in­dustriellen Entwicklung verändert sich das Pantanal zusehends. Wenn das Pantanal, das zusammen mit dem Amazonasgebiet eine so große Menge Sauerstoff für die Erde liefert, zerstört wird, sieht die Zukunft der Menschheit düster aus.

Pantanal 1Hunderte Fischarten leben im Pantanal. Es gibt dort einen gold­farbenen Fisch, den Dorado. Er wiegt oft mehr als 40 Pfund. Als ein Dorado das erste Mal an meiner Angel hing, hatte ich das Gefühl, dass mein Körper in den Fluss hineingezogen wird. Als ich mit aller Kraft die Leine aufspulte, sprang er mehrmals aus dem Wasser. Nach meh­reren Sprüngen hatte er immer noch genügend Kraft zum Kämpfen. Er war so stark und schien mehr wie ein Bär oder ein Tiger zu sein als ein Fisch.

Die Seen im Pantanal sind fast immer sauber. Was man auch ins Wasser gibt, es wird schnell wieder sauber. Das Wasser wird schnell gereinigt, weil die Lebenswelt des Feuchtgebietes Sedimente und Schadstoffe herausfiltert; und deshalb leben dort so viele verschie­dene Fischarten. Jede Art ernährt sich von etwas anderem. Sie leben in einem komplexen System zusammen und fressen auch organischen Abfall, der das Wasser verunreinigen würde. Selbst der Vorgang des Fressens hat die Funktion, das Wasser sauber zu halten. In dieser Hin­sicht unterscheiden sich Fische sehr vom Menschen, denn sie leben niemals für sich selbst, sondern als Teil eines größeren im Gleichge­wicht befindlichen Systems. Sie helfen, ihre Umwelt zu reinigen und zu verbessern.

Die Rückseite des Blattes einer Wasserhyazinthe in den Feuchtgebie-ten des Pantanal ist voll von schwarzen Insekten. Wenn alle Insekten dort blieben, könnte die Hyazinthe nicht mehr leben, aber es gibt Fische, die diese Insekten von den Blättern abfressen. Dadurch leben die Insekten, die Hyazinthen und die Fische. So ist die Natur. Keine Kreatur lebt für sich selbst. Stattdessen leben sie füreinander. Die Natur lehrt uns diese wunderbare Lektion.

pantanal 2Wenn den Menschen die Freiheit gegeben wird, im Pantanal zu fischen, wird sich der Fischbestand unweigerlich verringern, gleich­gültig wie viele Fische es dort auch gibt. Um die Fische zu schützen, müssen wir die Fischzucht entwickeln. Da die Fische im Pantanal so wertvoll sind, sollten wir viele Fischfarmen aufbauen. Auch sind ähnliche Einrichtungen zum Schutz von Insekten, Vögeln und Säugetieren notwendig. Die Insektenzucht wird helfen, den Vogelbestand zu vergrößern. Das Pantanal bietet einen perfekten Lebensraum für all diese Kreaturen. Indem wir uns darauf konzentrieren, ihren Bestand zu vergrößern, kann sich die Menschheit über Jahrhunderte hinweg an ihnen erfreuen.

Im Pantanal gibt es nicht nur Fische in Fülle. An den Flussufern wachsen Ananas, Bananenbäume und Mangobäume. Reis wächst dort so gut, dass man drei Ernten pro Jahr gewinnen kann, sogar ohne die Felder künstlich zu bewässern. Das zeigt, wie fruchtbar der Boden ist. Feldfrüchte wie Bohnen und Mais können angebaut werden, indem man die Saat einfach auf dem Boden verstreut. Man braucht sehr wenig menschliche Arbeit.

Als wir einmal mit dem Boot den Paraguay-Fluss hinunterfuhren, machten wir bei einem Haus Halt, das in der Nähe des Ufers stand. Der Bauer, der dort lebte, merkte, dass wir hungrig waren. Also ging er auf sein Feld und grub eine Süßkartoffel aus. Sie hatte die Größe einer Wassermelone! Er erklärte uns, solange er die Wurzel in der Erde lasse, würde sie für mehrere Jahre Kartoffeln hervorbringen. Zu wissen, dass man Kartoffeln ernten kann, ohne sie jedes Jahr anzupflanzen, verur­sachte bei mir einen starken Wunsch, sie in die Länder zu bringen, wo Nahrungsmittel fehlen.

Leute, die dafür eintreten, Feuchtgebiete zu erschließen, betonen den wirtschaftlichen Nutzen solcher Projekte. Das Pantanal als ein Feuchtge­biet liefert jedoch schon jetzt einen reichhaltigen wirtschaftlichen Nut­zen. In diesem Gebiet gibt es ausgedehnte unberührte Hartholzwälder. Die Ureinwohner behaupten, selbst wenn man einen großen Nagel in einen dieser Bäume schlage, würde er trotzdem noch über 100 Jahre alt. Diese riesigen Bäume produzieren Hölzer wie dunkles Ebenholz. Es verrottet nicht und man sagt, dass es länger hält als Eisen. Stellen Sie sich vor, wie es aussieht, wenn man Wälder mit solch wertvollen Bäumen hat. Ich ließ Setzlinge von diesen Bäumen auf ein 400 Hektargroßes Landstück im Pantanal pflanzen. Diese Bäume, die unsere Mit­glieder pflanzten, haben das Pantanal sogar noch schöner gemacht.

Es ist der Egoismus der Menschen, der die Natur zerstört. Der Wettbewerb um den kürzesten Weg zum wirtschaftlichen Erfolg ist der eigentliche Hauptgrund, warum die Umwelt zerstört wird. Wir kön­nen es nicht mehr zulassen, dass die Erde weiterhin geschädigt wird. Religiöse Menschen sollten eine Vorreiterrolle spielen auf dem Weg, die Natur zu retten. Die Natur ist Gottes Schöpfung und Sein Geschenk an die Menschheit. Wir müssen uns beeilen, bei den Menschen das Interesse für die Kostbarkeiten der Natur zu wecken, und sie auf die dringende Notwendigkeit hin weisen, dass die Natur in ihren ur­sprünglichen, reichen und freien Zustand zurückversetzt werden muss, dessen sie sich zur Zeit der Schöpfung erfreute.

Mittlerweile ist es allgemein bekannt geworden, dass das Pantanal eine Schatzkammer ist. Deshalb hat ein Kampf um seine Zukunft begonnen. Der Ort, den wir beschützen sollten, ist im Begriff, zum Schlachtfeld menschlicher Habgier zu werden. In den letzten zehn Jahren habe ich Leitern aus den verschiedensten Ländern der Welt das Pantanal gezeigt und Diskussionsrunden gesponsert, die sich damit beschäftigten, wie man die Umwelt in dieser Region und in der gan­zen Welt effektiv schützen kann. Ich bringe die Umweltexperten und Gelehrten der Welt zusammen und ermutige sie, sich für die Erhaltung des Pantanal einzusetzen. Ich arbeite daran, die Zerstörung des Pan­tanal durch die gnadenlosen materiellen Begierden der Menschen zu beenden.

Da die Umweltthematik immer brisanter wird, sind viele Um­weltschutzorganisationen entstanden. Die beste Organisation zum Schutz der Umwelt ist jedoch diejenige, die Liebe verbreitet. Menschen kümmern sich im Allgemeinen um Dinge, die ihnen selbst oder Men­schen, die sie lieben, gehören. Aber um die natürliche Umwelt, die Gott geschaffen hat, kümmern sie sich nicht. Gott hat diese Umwelt den Menschen gegeben. Es ist Sein Wille, dass wir die Umwelt nutzen, um Nahrung im Überfluss zu haben und uns an der Schönheit der Natur zu erfreuen. Die Natur ist nicht dazu da, dass man sie einmal benutzt und dann wegwirft. Die kommenden Generationen sollten die Möglichkeit haben, genauso auf die Natur zu bauen, wie wir es tun.

Der kürzeste Weg, die Natur zu beschützen, ist, ein liebendes Herz für sie zu entwickeln. Wir sollten fähig sein, beim Anblick eines ein­fachen Grashalms, den wir auf unserem Weg am Straßenrand sehen, eine Träne zu vergießen. Wir sollten im Stande sein, einen Baum zu umarmen und dabei zu weinen. Wir müssen verstehen, dass in jedem Felsbrocken und in jedem Windstoß Gottes Geist versteckt ist. Sich um die Umwelt zu kümmern und sie zu lieben, heißt Gott zu lieben. Wir müssen fähig sein, jedes Geschöpf, das Gott geschaffen hat, als ein Objekt unserer Liebe zu betrachten. Wenn unsere geistigen Augen geöffnet wären, könnten wir erkennen, dass ein einzelner Löwenzahn am Straßenrand wertvoller ist als die Goldkrone eines Königs.

Aus:  „Mein Leben für den Weltfrieden“, Autobiografie von Rev. Dr. Sun Myung Moon

 

 

 

 

 

 

 

 

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